Nachlese Forum Digitale Gesundheit 2016

Rund 40 renommierte Referenten spannten einen Bogen von der Hinterfragung von Big Data und Personalisierter Medizin, über konkrete technische Systemintegration oder Software-Zertifizierung, bis hin zur digitalen Unterstützung im Alltag bei der Pflege chronisch Kranker. Die Themenschwerpunkte bildeten Patientensicherheit, Interoperabilität, Security und Privacy, der Einsatz von Analytics und Outcome Messung sowie konsumentengetrieben Gesundheitsversorgung und die Rolle von Robotern und künstlicher Intelligenz.

Die Begrüssung der Teilnehmenden erfolgte durch den ärztlichen Direktor des Universitätsspital Zürich Jürgen Hodler. Sein Kollege Pietro Giovanoli, Direktor der Klinik für Plastische Chirurgie und Handchirurgie, referierte über Patientensicherheit im Zeitalter der Digitalisierung und unterstrich bewusst die Bedeutung der Kommunikation zwischen den Behandelnden und der klaren Verantwortungszuweisung im Rahmen der klinischen Prozesse. Gute Erfahrungen wurden mit Checklistenanwendungen im Operationssaal gemacht, die sich hervorragend für eine Digitalisierung eignen. Der Einsatz von Business-Intelligence zur Steuerung von Prozessen in der Notfallstation wurde von Patrik Honegger, dem Leiter Pflege des Instituts für Notfallmedizin des USZ anhand einer Dashboard-Lösung der emineo AG aufgezeigt. Nicht zuletzt anhand einer Reduktion der Gehdistanzen konnte gezeigt werden, dass die Ressourcen im klinischem Einsatz effizienter genutzt werden.

Das Thema Interoperabilität griff Thomas Wiechert von der Swisscom Health AG auf, indem er die zunehmende Wichtigkeit von Cloud-basierte Services in der Gesundheitsversorgung dargestellte. Durch die gestiegenen Anforderungen der Nutzer an Infrastruktur und Applikationen hinsichtlich Verfügbarkeit und Sicherheit sind IT Anwendungen am effizientesten aus der Cloud zu beziehen. Den besonderen Anforderungen des Gesundheitswesens muss hier jedoch Rechnung getragen werden und auch in der Cloud bleiben die Daten Eigentum der Leistungserbringer und Patienten!

Christian Wolf von der Visus AG wies bei seinem Vortrag zu Medical Archive darauf hin, dass Interoperabilität ein Wettbewerbsvorteil ist. Eine Datenkonsistenz durch IHE-konforme Standardisierung ermöglicht eine Vereinheitlichung und reduziert die Komplexität einer IT-Infrastruktur. Markus Dietrich von der Netcetera AG zeigte anhand der digitalen Unterstützung der klinischen Prozesse mit der Health Engine von den i-engineers am Beispiel des Universitätsspitals Basel, dass die Datenintegration verschiedener IT-Anwendungen eine nicht zu unterschätzende Aufgabe ist.

Herausforderungen im ambulanten Bereich sind jedoch ebenfalls hoch, wie Markus Gnägi von HCI Solutions AG anhand des systemübergreifenden Datenaustauschs medizinischer Daten darlegte. Hier gibt es aus seiner Sicht die Herausforderungen den Nutzen für den Healthcare Professional ins Zentrum zu stellen, sowie strukturierte Daten und Konnektoren zur Verfügung zu stellen. Dr. Samuel Eglin von der Gesundheitsdirektion des Kantons Zürich wies in seiner neuen Rolle als Geschäftsführer der axsana AG, der Betriebsgesellschaft der Zürich Affinity Domain, darauf hin, dass die Leistungserbringer die konkrete Umsetzung und das Dienstleistungsangebot selbst bestimmen können müssen um eine eHealth-Plattform zum Erfolg werden zu lassen.

Tomaž Gornik, CEO von Marand forderte im Zeitalter des Postmodern EHR eine Trennung von Inhalten und Technologie sowie eine herstellerneutrale Verfügbarkeit der medizinischen Daten zur Gewährleistung der Interoperabilität.

Patrick Erni zeigt die Erfahrungen der Post mit der Automatisierung des Datentransfers bei Spitaleintritt und –austritt. Alle Zuweisungen erfolgen digitalisiert und über einen einzigen Kommunikationskanal. Medizinische Informationen werden Dank einer automatisierten Triage in die entsprechenden Kliniksysteme übermittelt, was den administrativen Aufwand reduziert. Pascal Plüss, Visionary AG wies darauf hin, dass im Alltag das EPD kann nicht alle Kommunikationsanforderungen erfüllt, und diese Lücke durch eine gerichtete Kommunikation geschlossen werden muss. Matthias Meyer, Prozessverantwortlicher Consulting bei Erne Consulting AG berichtete in seinem Vortrag „Adieu Papierakte“ über die positiven Erfahrungen der Anwender einer digitalen Dokumentation hinsichtlich der besseren Verfügbarkeit von Daten im Behandlungsprozess und einer einfacheren Zusammenarbeit der Beteiligten. In einer gemeinsamen Session beschäftigten sich Thomas Rüegg von Logicare AG, Ivan Maio von data dynamic AG und Franz Peter, Direktor Finanzen und Dienste des Spitals Wetzikon mit der Wichtigkeit standardisierter Prozesse in der Spitalverwaltung da die externe Standardisierung und Regulierung zunimmt. Dies erfordert von allen Beteiligten Prozessdokumentation, die Klärung der Zuständigkeiten sowie das Hinterfragen bestehender Abläufe.

Max Moser von der modzero AG, der sich selbst als CEO und Hacker bezeichnet, zeigte die schwierige Aufgabe der Sicherung von Kommunikation und von Medizinalgeräten. Seine Ausführungen zu Ransomware und Botnet of Things haben bei manchen IT-Verantwortlichen zu Schweissausbrüchen geführt.

Gerd Antes, der Direktor von Cochrane Deutschland, stellte sich der Frage, ob Digitalisierung zu einer stärker wissenschaftlich fundierten Medizin und leitlinienkonformen Behandlung führt. Seiner Ansicht nach brauchen auch Big Data Anwendungen relevante Fragestellungen. Die Eckpfeiler der Wissensgenerierung wie Transparenz der Studiendurchführung und systematische Reviews für Wissenssynthese müssen eingehalten werden. Mit Predictive Analytics im Gesundheitswesen können jedoch heute schon Vorhersagen über den Erfolg von Therapien gemacht werden. Dies zeigte Josef Schmid von Dynelytics AG anhand den Behandlungsverläufen von Schlaganfallpatienten. Rüdiger Scheidig von Metralabs zeigte per Videoschaltung den robotischen Reha-Assistent ROREAS, der ebenfalls bei Patienten in der Schlaganfallrehabilitation eingesetzt wird.

Christopher Bensch, Director Strategy and New Business Development bei Philips Healthcare zeigte den Weg von der Gerätemedizin zu digital verknüpften Services. Patienten bewegen sich in einem „Health Continuum“ und der Austausch der Gesundheitsdaten erfolgt in einem digitalen Ökosystem, in dem zunehmend der Anwender deren Nutzung bestimmt. In der Tradition eines europäischen Unternehmens betonte er, dass dieses Ökosystem nur nachhaltig sein kann, wenn es offen ist und dem Anwender dient.

Christina Brunnschweiler, CEO Spitex Zürich Limmat legte Wert darauf, dass die Spitex bereits digital ist. Das reicht von der Pflegeplanung über die mobile Datenerfassung bis zur Rechnungsstellung. Herausforderungen sind jedoch die technische Zuverlässigkeit, Funklöcher, Datensicherheit und die zunehmend virtuelle Mitarbeiterführung. Ihr Fazit lautet: Ohne Digitalisierung ist eine ambulante Pflege nicht mehr möglich. Mit Consilium stellte die Mobile Health AG eine App für das digitale Management von Tumor-Patienten vor, die zur Erfassung von Therapienebenwirkungen und Patient-reported-outcomes eingesetzt wird und im Rahmen einer wissenschaftlichen Studie zeigen konnte, dass sie in Kombination mit der regulären Konsultation effektiver ist als die App alleine oder nur eine reine Arztkonsultation.

Alexander Schachinger Geschäftsführer der EPatient RSD GmbH aus Berlin berichtete, dass der erwünschter Kanal des Erhalts digitaler Gesundheitsanwendungen bei 49.7% der Befragten der Arzt ist, bei 34.2% die Krankenversicherung und nur 28.7 % wollen sich diese alleine im Internet suchen. Hierzu passte die Vorstellung der Digitale Patientenakte für Versicherte der AOK zur Vorsorge und Nutzung des Prämienprogramms durch Cisco Systems.

Für Startups gab es am Forum den AppCircus. Gewinner wurde imitoCAM, eine App zur Vermessung von Wunden und Gewebeproben. imitoCam reist nun zum Mobile Premier Awards 2017 nach Barcelona und tritt dort gegen die anderen Gewinner der regionalen AppCircus Veranstaltungen aus aller Welt an.

Zum Abschluss zeigten Jean-Christophe Gostanian, CEO der Avatarion Technology AG und sein humanoider Roboter Pepper die Zukunft der Gesundheitsversorgung zwischen Apps und Chatbots, während Ernst Hafen von der ETH Zürich und Initiant der MIDATA.coop, einem Verbund nationaler Datengenossenschaften, darauf hinwies, dass die Gesundheitsdaten den Betroffenen gehören und man sich Gedanken machen muss, wem man die Nutzung dieser Daten zugesteht. Das Forum Digitale Gesundheit wird es auch im kommenden Jahr geben. Neu ist jedoch der Termin von den Sommerferien am 22. Juni 2017 und die Konzentration auf einen Tag mit einem Preconference Programm am Vortag. Ausserdem wird das Forum in Zukunft im neuen Auditorium des Careums durchgeführt, das 2017 in Zürich seine Tore öffnet. Aktuelle Informationen entnehmen Sie jeweils unserer Webseite.

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