Nachlese eMedikation Frankfurt 2015

Die erste Deutsche Tagung eMedikation fand am 29. Januar 2015 in der School of Finance & Management in Frankfurt statt. Hochaktuell war das Thema durch den Referentenentwurf für das deutsche eHealth-Gesetz, welcher 2 Wochen zuvor veröffentlicht wurde.

Dr. med. Gregor Hülsken, Leiter Klinische Systeme des Geschäftsbereiches IT am Universitätsklinikum Münster zeigte Trends bei Clinical Decision Support Systemen im Krankenhausumfeld auf. Insbesondere in der Arzneimitteltherapie, zur PrüfungIMG_6546 der Wechselwirkungen unter Berücksichtigung der Diagnosen und Prozeduren-Historie, spielen solche Systeme eine zunehmend wichtige Rolle. In Münster läuft hierzu ein SMART DATA Projekt. Das Ziel sind intelligente Checks über die gesamte Krankenakte mit kontextbezogenen Hinweisen, Warnungen und Empfehlungen im KIS . Die Voraussetzung hierfür sind semantisch annotierte Daten, die nach Regeln geprüft werden können.

Dr. med. Amin-Farid Aly von der Arzneimittelkommission der deutschen Ärzteschaft (AkdÄ) und Dr. Gunther Hellmann stellten den patientenbezIMG_6600ogenen Medikationsplan zur Verbesserung der Interoperabilität vor. Der Ausblick zeigt, dass ein Papierausdruck des Medikationsplans eine Orientierungshilfe für Patienten ist. Der Medikationsplan schafft strukturierte Daten über den Transportcode (Carrier im 2D-Barcode) und taugt somit als Medium zur Koordination und Aktualisierung der Medikation zwischen den Ärzten, Apothekern, Pflegenden, da dessen Daten elektronisch genutzt werden können. Somit erzeugt der Carrier eine uniforme Nutzung der enthaltenen Daten bei unterschiedlichen Softwareprodukten.

Dr. Michael Baehr, Chefapotheker, Universitätsklinikum Hamburg Eppendorf zeigte die Erhöhung der Arzneimitteltherapiesicherheit durch die Integration elekIMG_6561tronisch gesteuerter Abgabesysteme in die Krankhaus-IT. Stichwort: Closed-Loop Medication Management. Jens Kaltschmidt, Bereichsleiter Medizinische Informationstechnologie UKL Heidelberg unterstrich die Notwendigkeit einer eindeutigen, dauerhaften Identifikation von Arzneistoffen und schlug als Lösung einen einheitlichen ABDATA-Stoffschlüssel vor.

Im weiteren Verlauf der Tagung wurden konkrete Beispiele und Erfahrungsberichte bei der Umsetzung von eMedikation dargestellt. Thomas Schmalzbauer vom Referat Datenverarbeitung und Prozessorganisation Pfalzklinikum für Psychiatrie und Neurologie berichtete über die praktischeIMG_6555n Erfahrungen mit eMedikation im Pfalzklinikum. Die Rolle des Krankenhausapothekers bei der Arzneimitteltherapiesicherheit wurde von Dr. rer. nat. Dirk Keiner, Leiter Krankenhausapotheke, SRH Zentralklinikum Suhl GmbH dargestellt. Ein Beispiel aus der Schweiz zeigte, wie die Spitäler Frutigen, Meiringen, Interlaken eine elektronisch kontrollierte Medikamentenverteilung umsetzen. Zum Einsatz kommen hierbei die High Security Dispenser HSD der Firma MACH4/4SWISS.

Das Projekt eines nationalen Medikationsdossiers am Beispiel Österreichs hat im Zusammenhang mit dem eHealth-Gesetzentwurf besonders interessiert. Dr. Alexander Kollmann von der ELGA stellte die eMED-ID vor, die dem Apotheker genau die Verordnungen des vorliegenden Rezepts angezeigt, welches in eMedikation vom Arzt erfasst wurde. Es kann eine Abgabe nur zu den abgerufenen Verordnungen durchführt werden, aber nicht die gesamte Medikationsliste aufgerufen werden. Ab 03/2016 erfolgt der Start der regionalen Einführung der e-Medikation. Ab 07/2016 ist eine Nutzung der e-Medikation in Österreich laut ELGA verpflichtend.

Dr. AleIMG_6594xander Schachinger, Geschäftsführer EPatient RSD GmbH aus Berlin und Autor der jährlichen ePatient-Umfrage wünscht sich für die Verbesserung der Adhärenz, dass der Patient von seiner behandelnden Klinik einen Zugang zu Informationen, Videos, Terminen und Services erhält, die genau auf seine Behandlung und Nachsorge zugeschnitten sind.

Die Rechtliche Aspekte der elektronischen Verordnung und der Status einer Verordnungssoftware als Medizinprodukt wurden von Tagung Sebastian Vorberg, Fachanwalt für Medizinrecht und Vorstand im Bundesverband Internetmedizin referiert.

Markus Weiß von der Deutschen Rentenversicherung Knappschaft-Bahn-See, Bochum stellte die prozessunterstützte Medikationstherapie entlang der Behandlungskette vor. Seiner Meinung nach findet eine sektorenübergreifende Therapieabstimmung nur unzureichend statt. Therapieempfehlungen sind häufig intransparent und entsprechen nicht den wirtschaftlich gebotenen Anforderungen niedergelassener Ärzte. Dadurch werden potentielle Risiken einer ganzheitlichen Arzneimitteltherapie nicht erkannt. Der Weiterbehandler stellt die stationäre Therapie häufig wieder um, bzw. ergänzt die prästationäre Medikation um zusätzliche Präparate. Bei Krankenhauspatienten existieren viele Versorgungsschnittstellen. Schnittstellen zwischen ambulanter und stationärer Behandlung stellen aber eine zentrale Schwachstelle in der Versorgung dar. Die sektorenübergreifende Kommunikation und insbesondere die übergreifende Arzneimitteltherapie ist von besonderer Bedeutung und eMedikation kann ein Mittel zur Überwindung der Problematik sein. Insbesondere da ein rechtlicher Handlungsauftrag im Versorgungsmanagement besteht: gemäss § 1 SGB V sind Krankenkassen verpflichtet geeignete Maßnahmen zur Kontrolle und Vermeidung von Arzneimitteltherapierisiken für ihre Versicherten anzubieten.

Neben den Vorträgen fand auch eine interaktive CLINICAL IMG_6585DOCUMENTATION CHALLENGE statt, bei der von Lösungsanbietern vorgegebene Aufgaben aus dem klinischen Alltag bearbeitet wurden. Dr. Juliane Eidenschink, ID GmbH & Co. KGaA und Dr. med. Andreas Krackhardt, CompuGroup Medical AG zeigten hier State-of-the-Art Lösungen für den Einsatz im Krankenhaus.

Aufgrund der Aktualität des Themas für die kommenden Jahre sowie des Interesses der Teilnehmenden wird im Jahre 2016 erneut eine Tagung in Deutschland durchgeführt werden, wie dies seit dem Jahr 2008 in der Schweiz der Fall ist.

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Präsentationen

Details Tagung Biel 20. Mai 2015

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